OffSpace Adam Ziege – Artikel im Cynal Magazin 2.0

von Anna Limburg

Am Anfang stand eine fixe Idee, inzwischen hat sich der Off Space Adam Ziege zu einem festen Anlaufpunkt junger Kunst in Dresden entwickelt. Aus einem spontanen künstlerischen Treffpunkt wurde innerhalb von fünf Jahren ein konzeptioneller Ort, der stets die wohnungsbauliche Hand fürchten musste, die ihn nun packt; aber nie die Freude am Vorantreiben verlor.

Die Ausstellungsräume von Adam Ziege bestehen seit dem Tag der offenen Ateliers im November 2007 und verfolgten von Beginn an die Absicht, nicht ausschließlich etablierten KünstlerInnen die Möglichkeit zu geben, ihre Kunst auszustellen, son-dern in gleichem Umfang Amateuren und weithin unbekannten KünstlerInnen. Ne-ben der offen gehaltenen Künstlerauswahl war es der Ziege zudem wichtig, der zunehmenden trinkfreudigen Verspaßung des Stadtteils einen kulturellen Ort entgegenzusetzen. Der bereits im Jahr 2007 zu verzeichnende Mangel an erschwinglichen Ausstellungsmöglichkeiten war des Weiteren ein Anstoß dafür, anfangs vorwiegend befreundeten HfBK-StudentenInnen sowie Sturm-und-Drang-AktivistInnen der Kunst einen Platz zu bieten. So wurde aus dem Ziegenstall alsbald eine kleine Kulturinsel im mittlerweile durchsanierten Stadtviertel, die immer auch ein temporäres Experimentierfeld für spontane Projekte sein sollte. Um die Person des Adam Ziege selbst kursieren seit der Gründung zahlreiche Gerüchte, die wahr sein mögen oder nicht.

Reizvoll wird der gänzlich ohne Fremdmittel betriebene Off Space vor allem auch durch seine Vanitasoptik. Er stellt so ein Pendant zu nüchternen Ausstellungs-räumen im Sinne des White Cube dar und schafft dadurch immer wieder eine Herausforderung für ausstellende KünstlerInnen, die aufgefordert sind, auf die eigenständigen Räume einzugehen. Genau dies hat sich immer wieder als gute Voraussetzung gerade für KünstlerInnen ohne Ausstellungserfahrung erwiesen, im Unperfekten ihre ersten Fußtritte zu unternehmen.

Eine weitere nennenswerte Komponente ist zudem, dass die Betreiber der Ziegen-räumlichkeiten zwar teils selbst künstlerisch aktiv sind, jedoch allesamt aus anderen Studien- und Berufsfeldern stammen. Dies hat sicherlich auch den Wunsch, nicht professionell Kunstschaffenden eine Ausstellungsplattform zu bieten, in hohem Maße geprägt. Da Adam Ziege sich gänzlich durch Spenden und Engagement der Mitwirkenden trägt, ist es seit ehedem auch immer ein Ort, der sich nicht auf starre, auf den Kunsthandel ausgerichtete Konzepte festschreiben will, sondern Raum für die Erprobung neuer und alternativer Ausstellungsformen schafft. So erleben KünstlerInnen oftmals eine größere Freiheit in der Konzeption ihrer Ausstellungen.

Über die Jahre schlug Adam Ziege in der Dresdner Kunstlandschaft immer weitläufigere Wurzeln und zog darüber hinaus überregionale wie auch internationale KünstlerInnen von Riesa bis Portland, Oregon an. Infolge der wachsenden Reputation verlagerte sich in jüngerer Vergangenheit die Konzentration unbewusst verstärkt auch auf professionell tätige KünstlerInnen, deren Werke die drei Zimmer der Ziege beherbergten. Hinzu kam zu Beginn des Jahres 2012 eine personelle Umstrukturierung – aus eins wurde zehn. Fortan war für die Haltung der Ziege eine Gruppe an Kunstinteressierten zuständig und etablierte unter anderem auch die Konzerttradition des Off Space, die zuletzt in den regelmäßig veranstalteten musikalischen Sonntagsmatinées Ausdruck fand und auf zahlreiche Konzerthighlights zurückblicken kann.

Mit Hinblick auf das Ausstellungsspektrum des Projektraums Adam Ziege fällt eine vielfältige Chronik ins Auge. Neben den häufig vertretenen Genres der Malerei und Fotografie, die einige KünstlerInnen wie Michael Ebel oder die FotografInnen um TagohneSchatten zu Wiederholungstätern machten, hielten auch immer wieder Installationen, Werke der Bildhauerei, Videoprojekte, Performances und andere Kunstformen Einzug. Waren Konzerte stets Bestandteil der Adamschen Philosophie, so kamen vor allem in den Anfangsjahren wiederkehrend Lesungen und Diavorträge hinzu. Selbstinszenierte Aktionen wie die Begrünung der Räume mit Rasen in der Sommerpause des vergangenen Jahres runden die Spielwiese Adam Zieges ab.

Hatte sich Adam Ziege für viele Kunst- und Kulturschaffende zu einem festen Anlaufpunkt in der Dresdner Neustadt entwickelt, so stieß dieser Ort zuletzt doch an die Grenzen kontemporärer Stadtentwicklung und muss sich im Mai diesen Jahres entgültig aufwertender Wohnpolitik beugen, die in der Vergangenheit bereits anderen kulturellen Institutionen, wie dem Treibhaus und jüngst dem friedrichstadtZentral sowie der Stauffe11 den Odem nahm.

ADAM ZIEGE – ein ‘Nachruf mit Hoffnung’

Quelle:
Ulli Gabsch 2014
http://ulligabsch.twoday.net/stories/adam-ziege-ein-nachruf-mit-hoffnung/

Seit vier Monaten ist es Gewissheit und in Folge dessen auch in den letzten Wochen bereits in der Presse gebührend thematisiert: durch den Eigentümerwechsel der Dresdner Louisenstraße 87 wird ADAM ZIEGE, ein ‘Offspace künstlerischer Ambitionen’, seine Tür in jenem Haus Ende April unabwendbar schließen müssen. Ein Verlust, der, wie auch immer die Geschichte weitergehen wird, eine kulturelle Leere an diesem Ort hinterlassen wird.

Es war 2007, als sich den jungen Maschinenbauingenieuren Andreas Kempe und Daniel Schulze eine spannende Räumlichkeit auftat und damit der Weg zu einer abenteuerlichen Idee frei wurde. Nach intensivster einwöchiger Entrümpelungs-, Reinigungs- und Renovierungsarbeit, überhaupt nur durch die Unterstützung zahlreicher Freunde möglich, war es am 17. November 2007 so weit: die frisch geborene Galerie ADAM ZIEGE präsentierte in der Louisenstraße 87 ihre erste Ausstellung! Was damals die Initiatoren nicht einmal im Leisesten zu ahnen vermochten: ADAM ZIEGE wird in den Folgejahren zu einer etablierten nonkommerziellen Institution für junge zeitgenössische Kunst in Dresden heranwachsen.

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© Ulli Gabsch, “Andreas Kempe vor ADAM ZIEGE”, 2008

Nonkommerziell bedeutet im Fall ADAM ZIEGE = idealistisch. Daniel Schulze als stiller, uneigennütziger Mäzen, aber auch Freunde, Sponsoren und gelegentlich manch Aussteller, deckten Monat für Monat die anfallenden Kosten, während Andreas Kempe über vier Jahre lang viele hunderte Galeriedienste absicherte, die künstlerische Ausrichtung navigierte (also kuratierte) und all die Zeit das eigentliche Gesicht von ADAM ZIEGE war. Erst 2012, durch seine berufliche Weiterentwicklung vor grundsätzliche Entscheidungen gestellt, zog sich Andreas Kempe koordiniert aus dem Tagesgeschäft zurück und übergab dieses einem freundschaftlich verbundenen Kollektiv kunstaffiner Menschen. Weitgehend unbemerkt wurde in Folge auch die Bezeichnung „Galerie“ aus dem Namen gestrichen, um deutlicher als das wahrgenommen zu werden, was ADAM ZIEGE immer war: ein offener, unkommerzieller Kunstraum.

Fraglich, ob überhaupt irgend jemand all die stattgefunden Ausstellungen gezählt hat. In den vergangen gut fünf Jahren mögen es geschätzt vielleicht 60 oder gar 70 gewesen sein. Dabei haben nicht nur die Vielfalt der unterschiedlichsten medialen Kunstformen (Malerei, Grafik, Skulptur, Fotografie, Performance, Street Art, …) für nachhaltige Kunsterlebnisse gesorgt, sondern ebenso die individuelle Verschiedenheit der ausgestellten Künstler. ADAM ZIEGE war immer für alle offen. Für experimentierfreudige Kunststudenten, für kreative Autodidakten wie auch für schon etablierte Berufskünstler. Highlights gab es folglich viele. Eine Aufzählung wäre jedoch mühsam und ungerecht. Ein Beispiel kann man aber vielleicht dennoch wagen: die alljährlichen Ausstellungen – somit fünf an der Zahl – von Michael Ebel waren nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ ein Gesamtpaket mit besonderem visuellen und kognitiven Erlebniswert.

ADAM ZIEGE wäre nie ein richtiger Offspace gewesen, wenn an diesen Ort nicht auch so manche private Veranstaltung im großen Freundeskreis möglich gewesen wäre. Allen Insidern wird hier ebenso Vielfältigstes in dauerhafter Erinnerung bleiben.

Das Aus ist besiegelt, die letzte Ausstellung ist vorüber. Aber das Ende ist noch nicht gänzlich da! ADAM ZIEGE wird in der kommenden Woche definitiv noch eine ‘art’ige Abschiedsparty zelebrieren.

Ob das idealistische Projekt ADAM ZIEGE nach fünfeinhalb Jahren nunmehr final zu Grabe getragen werden muss, bleibt im Moment noch ohne Antwort. Das agile Betreiberkollektiv ist derzeit intensiv auf der Suche. Auf der Suche nach einem neuen (Kunst-)Raum. Einem Raum, bei dem jedoch Preis und Lage stimmen müssen. Und wie der Buschfunk flüstert … es gibt da scheinbar was! 😉 Drücken wir die Daumen, dass das gelingen möge – und dieser ‘Nachruf mit Hoffnung’ nie ein echter Nachruf werden muss.

 

Neustadt-Künstler müssen Lokal räumen

13.04.2013 Von Britta Veltzke in der Sächsischen Zeitung vom 13.04.2013
November 2007: Das Rollo vor dem Schaufenster gibt Stück für Stück den Blick auf ein marodes Ladenlokal frei. Tauben haben es sich in den Stofffetzen der ehemaligen Schneiderei gemütlich gemacht. Es sind die Reste des letzten Mieters der Louisenstraße 87.
Drei Räume mit alten Kachelöfen, zerkratzten Dielen – nicht mal 500 Euro Miete im Monat. Der perfekte Raum für die Handvoll kunstaffiner Freunde, die sich fortan „Adam Ziege“ nennt. Sie gründen einen Freiraum. Auf Neudeutsch: Offspace. Ein Raum, in dem sich Künstler und Laien begegnen. Doch jetzt muss sich die Gruppe einen neuen Ort suchen. Das Haus wurde von der Erbengemeinschaft an einen Architekten verkauft, der es bald sanieren lassen will. Die Kündigung bekamen sie im Januar. Ende April muss die Gruppe ausziehen.

Ob das Ladenlokal auch nach der Sanierung noch als Gewerberaum genutzt werden kann, damit hat sich „die Ziege“ gar nicht beschäftigt. „Uns  ist klar, dass wir uns die Miete dann nicht mehr leisten können“, sagt Mitglied Falk Zakrzewski. Denn: „Wir machen keinen Gewinn mit dem, was wir tun.“ Und das solle auch so bleiben, ergänzt Stefanie Köhler. Sie betrieben ja keine Galerie, in der Kunst verkauft würde, sondern einen Experimentierraum. „Die Leute kommen her, stellen aus, reden über Kunst, Kultur, Gesellschaft“, so Köhler. Da seien kommerzielle Gedanken am falschen Platz. Bisher haben die Adam-Ziege-Mitglieder ihr eigenes Geld für die Instandhaltung und die Miete der alten Schneiderei aufgebracht.

Wie es nun weitergeht, wissen die Freunde noch nicht. Nur, dass es weitergehen soll, das wissen sie. „Vielleicht schließen wir uns auch mit anderen Projekten zusammen, deren Mietverträge gekündigt wurden“, sagt Falk Zakrzewski. Das betrifft neben dem Friedrichstadtzentral auch die Ateliergemeinschaft Staufenbergallee 11. Gerade läuft die letzte Ausstellung bei Adam Ziege. Der Hamburger Rüdiger Beckmann zeigt seine Fotografien unter dem Titel: „Beyond Vanity. Jenseits von Eitelkeit“. Zu sehen sind die Porträts von Frauen – keine Models, die der Künstler in Szene setzte, sondern Frauen, die zu ihm kämen, um sich so fotografieren lassen, wie sie es wollten, sagt Beckmann. „Die Bilder zeigen nicht die Oberfläche, sondern die Befindlichkeit der Person in dieser Situation.“ Bis Ende April ist die Ausstellung geöffnet, dann lassen die Kunstfreunde den Rollladen wieder herunter.

Artikel-URL: http://www.sz-online.de/nachrichten/neustadt-kuenstler-muessen-lokal-raeumen-2551791.html

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Foto: Andre Wirsig

Stefanie Köhler, Falk Zakrzewski und der Hambuger Künstler Rüdiger Beckmann sitzen vor dem Kunstraum in der Louisenstraße.

Wer war Adam Ziege?

Im Mai 2013 schloss die Adam Ziege. Die Redaktion von CYNAL spricht  mit den veritablen Rookies der Kunstszene über Idealismus und Naivität einen Off-Raum zu organisieren, zu bespielen und wieder zu schließen…

 

Wie lange gibt es euren Off-Raum schon? 

Adam Ziege gibt es seit November 2007. Vormals war es für lange Jahre die Schneiderei ‘Edith Böhm’. Die Räumlichkeiten in demHaus von ca. 1895 lagen mehrere Jahre brach. Dann haben wir sie angemietet, 5 cm hohen Taubenmist, Dreck und Müll entsorgt, den Rollladen wieder fit gemacht, gestrichen und die Schaufenster geschrubbt. Das Ganze passierte mit viel Hilfe von Freunden.

 

Eine Reihe von Ausstellungen sind bei euch gelaufen. Welche war eure bestbesuchte Ausstellung? Und warum?

Das ist schwierig zu sagen. Die Besucher kamen natürlich auch wegen der Ausstellungen, aber nicht nur. Oft war es ein Treffpunkt für befreundete Künstler, die schnell zu einem immer wieder gern gesehenen Stammpublikum wurden. Dann kamen die Freundeskreise der Künstler hinzu. Es war immer unser Anreiz, durch eine Diversität der Ausstellungen ein breitesPublikum anzusprechen.Zahlreiche Ausstellungsformen sollten Platz finden in den sehr ursprünglichen, man kann sagen ‘gelebten’ oder ‘abgelebten’ Räumen. Oft entsprang die eigentliche Arbeit der Künstler der Inspiration durch den Raum. In den letzten Monaten ist der Besucherstrom enorm gewachsen und die Eröffnungen, die alle 2 Wochen neu stattfinden, sind sehr gut besucht.
Aber ach, wir reden hier schon von dem, wie es gewesen ist. Bis Ende April gibt es uns noch und wir haben noch interessante Ausstellungen zu bieten, wie zB. den Hamburger Fotografen Rüdiger Beckmann oder die hiesigen Andreas Müller und Anna Lange.

 

Eure Philosophie beziehungsweise Euer Konzept in einem Satz? 
Die anfängliche Idee war es, ein Sprungbrett für Newcomer zu sein, die ihre Erstausstellung realisieren und somit eine Art ‘institutionsfreie Frühförderung’, ein Sich ausprobieren genießen sollten. Diese Haltung wich irgendwann, sicher auch weil wir als MacherInnen selbstsicherer wurden im Umgang mit Ausstellungsplanung, Auswahl und dem Blick auf das junge Kunstgeschehen in Dresden aber auch überregional.

 

Was war Eure Motivation, einen solchen Off-Raum zu betreiben? 

Es gab (und gibt sie immer noch !) zu wenig Räume für unabhängige Kunst und Kultur in Dresden. Damals, 2007, sollte das schlummernde Interesse befreundete Künstler zu fördern endlich sichtbar werden. Wie wir uns bei dem Stemmen von Adam Ziege absichern wollten, lag sicher nicht an dem Wunsch, total professionell als Kunstbetreiber daherzukommen, vielmehr stand die Leidenschaft und das eigene Kunstinteresse im Vordergrund. Den Idealismus und die Naivität, die wir da auch mitbrachten, machte uns vielleicht zu veritablen Rookies der Kunstszene.

 

Nach welchen Kriterien wähltet Ihr die Künstler aus? 

Nach Vorurteilen ! Nein, Spaß beiseite.Die Auswahl war ursprünglich sehr subjektiv, also zu zeigen, was man selbst gut fand. Später kam das Kriterium hinzu, eine Ausgewogenheit zwischen Amateuren und Profis und den unterschiedlichen Kunstformen (Fotografie, Malerei, Installation, Skulptur etc.) zu erfassen. Letztlich war und ist es für uns immer ein Selbstversuch in Sachen publikumsfreundliche Auswahl.

 

Bitte eine abenteuerliche oder skurrile Anekdote aus eurem temporalen Ausstellungsraum: 

Wir hoffen, ihr habt nichts dagegen – hier lieber eine Fantasie umwobene Anekdote aus der Entstehungsgeschichte von Adam Ziege.

Adam Ziege, geboren als zweiter Sohn des Gemischtwarenhändlers und Lebemannes Joseph Ziege und seiner Frau Edith, geborene Böhm, von Beruf Schneiderin, wohnhaft in ärmlichen Verhältnissen in der Judengasse 12, heute Pulsnitzer Straße. Er weilte schon im Kindesalter am liebsten vor den Kunsthandwerksständen des Neustädter Marktes und hatte sichtlich ein Faible für exotische Schnitzereien aus dem fernöstlichen Raum. Früh versuchte er sich als Bäckerlehrling, aber wegen einer Mehlstauballergie musste er seine Karriere als Konditor und Zuckerbäcker aufgeben. Nach einer kurzen Zeit völliger Desillusion knüpfte er alsbald in den Bierstuben und dunklen Spelunken der äußeren Neustadt Kontakte zu freischaffenden Malern, Zeichnern, Theaterkünstlern und Barden. Angestiftet von Schaffenskraft und Tatendrang der modernen Künstler, mietete sich Adam Ziege in der Nähe das alten jüdischen Friedhofes in einem neu entstandenen Bürgerhaus, nebst einer alten Post, ein Atelier, um sich selbst der Kunst zu widmen, zu zeichnen und Romane zu schreiben. Leider sind seine Entwürfe und Manuskripte bei einem Prießnitz-Hochwasser gänzlich vernichtet worden. Trotz dieses Rückschlages hielt er an den Künsten fest. Später veröffentlichte er in seinem Atelier die Werke seiner Kameraden und Genossen. Später dehnte er sein Kreise aus und besuchte Künstler in ganz Europa. Adam Ziege ging, nachdem er seine ersten Reise nach Amerika antrat, wahrscheinlich am 16.1.1913 bei schwerer See im nördlichen Atlantik über Bord. Eine letzte Fotografie zeigt ihn an der Elbe.

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Aus seinem Reisetagebuch: „Kunst wird vom Betrachter erschaffen und wird jedes Mal beim Betrachten neu erschaffen, wird durch jedermanns Auge zum eigenen Gewahrsein. […] Kunst ist Anfang und Ende, ist das schon immer Dageweseneund immer Seiende. Kunst ist das ewig Überdauernde, die einzige Konstante im Menschen über Jahrtausende hinweg …“

 

Wo und wann hört die Freiheit alternativer Kunstorte auf? 

Das ist keine leichte Frage. Kant würde sinngemäß sagen: Die Freiheit des einen hört auf, wo die es anderen beginnt. Nun, einschneidend erfährt doch die Freiheit alternativ geprägter Kunstorte ihre Grenzen, wenn Bürokratie, Gentrifizierung und auch Förderung (mit seinen Bedingungen) ein Übermaß an Bedeutung bekommen.

 

Wie habt ihr euch finanziert? 

Wir haben Adam Ziege ausschließlich über Eigenleistungen halten können und lange einen großen Bogen um die institutionelle Förderungherum gemacht. Die Spenden über den großen Künstlerfreundeskreis waren und sind großartig. Ohne sie hätte der Ort nicht über 5 Jahre gehalten werden können. Das freut uns immer sehr, auf so viel kleine aber wahrhaftige Unterstützung zurückschauen zu dürfen. Das hat den Besuchern und Freunden auch immer das Gefühl gegeben, Kultur in der Neustadt auch aktiv mitzubestimmen.

 

Wie schätzt ihr die kommunale Kulturpolitik in der Beziehung ein? 

Schaut man sich das wahnsinnig schnelle Verschwinden anderer Off-Räume an, wie zB. das Friedrichstadt Zentral, Stauffenbergallee 11 oder andere, liegt es auf der Hand, welches Augenmerk die Stadt auf derlei Orte hat. Dresden hat ein gnadenloses Desinteresse, alternative, freie, unabhängige und nicht kommerzielle Kunstorte zu erhalten und zu bewahren, geschweige denn bewusstzu sehen. Zudem hat die Stadt kein Konzept und Bewusstsein, solch schnelllebige Orte, die flexibel und flink agieren, zu händeln. Wenn die Stadt Dresden ein positives Zeichen für alternative Kunst und Kultur setzen möchte, muss da mehr Weitblick in der Meinung über Stadtkultur her, das finge zB. bei gelockerten und flexibleren Projektfördermöglichkeiten an, beträfe aber auch ein konsequent anderes Denken in der Stadtteilentwicklung. Nur so können Nischen entstehen bzw. bleiben, in denen die kulturelle Vielfalt Dresdens ihrem Namen gerecht würde. Alles andere ist ziemlich dumpfer Hohn.

 

Was passiert nach der Schließung?

Plant ihr Aktionen oder habt ihr schon neue Räume gefunden? Wir lassen uns überraschen und halten die Augen offen nach einem neuen Ort. Das Netzwerk ist vorhanden!

 

Quelle: http://www.cynal.de/text/adam-ziege-.html