Neustadt-Künstler müssen Lokal räumen

13.04.2013 Von Britta Veltzke in der Sächsischen Zeitung vom 13.04.2013
November 2007: Das Rollo vor dem Schaufenster gibt Stück für Stück den Blick auf ein marodes Ladenlokal frei. Tauben haben es sich in den Stofffetzen der ehemaligen Schneiderei gemütlich gemacht. Es sind die Reste des letzten Mieters der Louisenstraße 87.
Drei Räume mit alten Kachelöfen, zerkratzten Dielen – nicht mal 500 Euro Miete im Monat. Der perfekte Raum für die Handvoll kunstaffiner Freunde, die sich fortan „Adam Ziege“ nennt. Sie gründen einen Freiraum. Auf Neudeutsch: Offspace. Ein Raum, in dem sich Künstler und Laien begegnen. Doch jetzt muss sich die Gruppe einen neuen Ort suchen. Das Haus wurde von der Erbengemeinschaft an einen Architekten verkauft, der es bald sanieren lassen will. Die Kündigung bekamen sie im Januar. Ende April muss die Gruppe ausziehen.

Ob das Ladenlokal auch nach der Sanierung noch als Gewerberaum genutzt werden kann, damit hat sich „die Ziege“ gar nicht beschäftigt. „Uns  ist klar, dass wir uns die Miete dann nicht mehr leisten können“, sagt Mitglied Falk Zakrzewski. Denn: „Wir machen keinen Gewinn mit dem, was wir tun.“ Und das solle auch so bleiben, ergänzt Stefanie Köhler. Sie betrieben ja keine Galerie, in der Kunst verkauft würde, sondern einen Experimentierraum. „Die Leute kommen her, stellen aus, reden über Kunst, Kultur, Gesellschaft“, so Köhler. Da seien kommerzielle Gedanken am falschen Platz. Bisher haben die Adam-Ziege-Mitglieder ihr eigenes Geld für die Instandhaltung und die Miete der alten Schneiderei aufgebracht.

Wie es nun weitergeht, wissen die Freunde noch nicht. Nur, dass es weitergehen soll, das wissen sie. „Vielleicht schließen wir uns auch mit anderen Projekten zusammen, deren Mietverträge gekündigt wurden“, sagt Falk Zakrzewski. Das betrifft neben dem Friedrichstadtzentral auch die Ateliergemeinschaft Staufenbergallee 11. Gerade läuft die letzte Ausstellung bei Adam Ziege. Der Hamburger Rüdiger Beckmann zeigt seine Fotografien unter dem Titel: „Beyond Vanity. Jenseits von Eitelkeit“. Zu sehen sind die Porträts von Frauen – keine Models, die der Künstler in Szene setzte, sondern Frauen, die zu ihm kämen, um sich so fotografieren lassen, wie sie es wollten, sagt Beckmann. „Die Bilder zeigen nicht die Oberfläche, sondern die Befindlichkeit der Person in dieser Situation.“ Bis Ende April ist die Ausstellung geöffnet, dann lassen die Kunstfreunde den Rollladen wieder herunter.

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Foto: Andre Wirsig

Stefanie Köhler, Falk Zakrzewski und der Hambuger Künstler Rüdiger Beckmann sitzen vor dem Kunstraum in der Louisenstraße.