ADAM ZIEGE – ein ‘Nachruf mit Hoffnung’

Quelle:
Ulli Gabsch 2014
http://ulligabsch.twoday.net/stories/adam-ziege-ein-nachruf-mit-hoffnung/

Seit vier Monaten ist es Gewissheit und in Folge dessen auch in den letzten Wochen bereits in der Presse gebührend thematisiert: durch den Eigentümerwechsel der Dresdner Louisenstraße 87 wird ADAM ZIEGE, ein ‘Offspace künstlerischer Ambitionen’, seine Tür in jenem Haus Ende April unabwendbar schließen müssen. Ein Verlust, der, wie auch immer die Geschichte weitergehen wird, eine kulturelle Leere an diesem Ort hinterlassen wird.

Es war 2007, als sich den jungen Maschinenbauingenieuren Andreas Kempe und Daniel Schulze eine spannende Räumlichkeit auftat und damit der Weg zu einer abenteuerlichen Idee frei wurde. Nach intensivster einwöchiger Entrümpelungs-, Reinigungs- und Renovierungsarbeit, überhaupt nur durch die Unterstützung zahlreicher Freunde möglich, war es am 17. November 2007 so weit: die frisch geborene Galerie ADAM ZIEGE präsentierte in der Louisenstraße 87 ihre erste Ausstellung! Was damals die Initiatoren nicht einmal im Leisesten zu ahnen vermochten: ADAM ZIEGE wird in den Folgejahren zu einer etablierten nonkommerziellen Institution für junge zeitgenössische Kunst in Dresden heranwachsen.

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© Ulli Gabsch, “Andreas Kempe vor ADAM ZIEGE”, 2008

Nonkommerziell bedeutet im Fall ADAM ZIEGE = idealistisch. Daniel Schulze als stiller, uneigennütziger Mäzen, aber auch Freunde, Sponsoren und gelegentlich manch Aussteller, deckten Monat für Monat die anfallenden Kosten, während Andreas Kempe über vier Jahre lang viele hunderte Galeriedienste absicherte, die künstlerische Ausrichtung navigierte (also kuratierte) und all die Zeit das eigentliche Gesicht von ADAM ZIEGE war. Erst 2012, durch seine berufliche Weiterentwicklung vor grundsätzliche Entscheidungen gestellt, zog sich Andreas Kempe koordiniert aus dem Tagesgeschäft zurück und übergab dieses einem freundschaftlich verbundenen Kollektiv kunstaffiner Menschen. Weitgehend unbemerkt wurde in Folge auch die Bezeichnung „Galerie“ aus dem Namen gestrichen, um deutlicher als das wahrgenommen zu werden, was ADAM ZIEGE immer war: ein offener, unkommerzieller Kunstraum.

Fraglich, ob überhaupt irgend jemand all die stattgefunden Ausstellungen gezählt hat. In den vergangen gut fünf Jahren mögen es geschätzt vielleicht 60 oder gar 70 gewesen sein. Dabei haben nicht nur die Vielfalt der unterschiedlichsten medialen Kunstformen (Malerei, Grafik, Skulptur, Fotografie, Performance, Street Art, …) für nachhaltige Kunsterlebnisse gesorgt, sondern ebenso die individuelle Verschiedenheit der ausgestellten Künstler. ADAM ZIEGE war immer für alle offen. Für experimentierfreudige Kunststudenten, für kreative Autodidakten wie auch für schon etablierte Berufskünstler. Highlights gab es folglich viele. Eine Aufzählung wäre jedoch mühsam und ungerecht. Ein Beispiel kann man aber vielleicht dennoch wagen: die alljährlichen Ausstellungen – somit fünf an der Zahl – von Michael Ebel waren nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ ein Gesamtpaket mit besonderem visuellen und kognitiven Erlebniswert.

ADAM ZIEGE wäre nie ein richtiger Offspace gewesen, wenn an diesen Ort nicht auch so manche private Veranstaltung im großen Freundeskreis möglich gewesen wäre. Allen Insidern wird hier ebenso Vielfältigstes in dauerhafter Erinnerung bleiben.

Das Aus ist besiegelt, die letzte Ausstellung ist vorüber. Aber das Ende ist noch nicht gänzlich da! ADAM ZIEGE wird in der kommenden Woche definitiv noch eine ‘art’ige Abschiedsparty zelebrieren.

Ob das idealistische Projekt ADAM ZIEGE nach fünfeinhalb Jahren nunmehr final zu Grabe getragen werden muss, bleibt im Moment noch ohne Antwort. Das agile Betreiberkollektiv ist derzeit intensiv auf der Suche. Auf der Suche nach einem neuen (Kunst-)Raum. Einem Raum, bei dem jedoch Preis und Lage stimmen müssen. Und wie der Buschfunk flüstert … es gibt da scheinbar was! 😉 Drücken wir die Daumen, dass das gelingen möge – und dieser ‘Nachruf mit Hoffnung’ nie ein echter Nachruf werden muss.